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Steffen Steinbrück mit seinen Milchkühen
Ein Rapsfeld
Die Melkanlage in Neumark

„Bei uns ist nichts mit Homeoffice“ –Die Erzeugergenossenschaft Neumark während der Corona-Pandemie

Neumark im Weimarer Land: Ein kleiner, beschaulicher Ort, gut 20 Kilometer von Erfurt entfernt. Von blühenden Feldern und kleinen Waldstücken umgeben liegt das Dörfchen idyllisch im Thüringer Becken. Die Corona-Pandemie scheint weit weg zu sein. Doch am nördlichen Ortsrand kämpft man bereits seit Wochen mit ihren Folgen – und das vermutlich noch einige Monate lang. Doch von Beginn an: Die Erzeuger-Genossenschaft (EG) Neumark besteht schon seit den 90er Jahren. Der Zusammenschluss mehrerer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) aus dem Umkreis hat sie geboren. Derzeit arbeiten mehr als 60 Menschen in dem landwirtschaftlichen Betrieb. Sie bestellen Felder mit Raps oder Getreide, bauen Zuckerrüben an und kümmern sich um die etwa 1.600 Milchkühe des Betriebs. Es ist ein breites Geschäftsfeld, das die Erzeugergemeinschaft bedient. Doch für EG-Vorstand Steffen Steinbrück sind es schwierige Zeiten: „Keiner kann heute voraussagen, wie die wirtschaftlichen Verwerfungen sich auf das landwirtschaftliche Geschäft auswirken.“

Eine Milchkuh frisst Heu

Ganz konkret spiegeln sich diese „wirtschaftlichen Verwerfungen“ vor allem in den Abnahmemengen und -preisen seiner Erzeugnisse wider. Vor allem um den Milchpreis macht Steffen Steinbrück sich Sorgen. Zwar sei sein Unternehmen, dank vorausschauender Preisabsprachen mit den Molkereien, bis Ende Juni sicher, aber niemand weiß, was danach geschieht. Denn der deutsche Milchpreis ist längst nicht mehr nur vom Absatz innerhalb des Landes abhängig. Wie bei vielen anderen Produkten bestimmen auch hier internationale Player den Markt und damit die Höhe des Milchpreises. Der werde dann noch mehr zu einer Herausforderung, sagt Steffen Steinbrück. Aktuell sei noch nicht abzuschätzen, wie viel Bedarf und vor allem wie viel Erzeugungsmöglichkeiten Länder wie China oder Italien an Frischmilch und Milchpulver haben. Konkret bedeute dies für die Erzeugergemeinschaft, dass derzeit noch keiner wisse, ob sie ihre Milch in einem halben Jahr noch verkaufen könne. Ähnlich sieht es auch für andere Produkte wie etwa Zuckerrüben aus. Weil Brasilien derzeit viel Zuckerrohr in die eigene Herstellung von Ethanol gebe, sei der Marktdruck dort etwas gesunken. Indien würde seine Zuckeranbauer hingegen derzeit staatlich subventionieren und damit den Druck auf den Markt erhöhen.

Doch nicht nur der vermeintlich freie Markt ist es, der die Erzeugergemeinschaft Neumark belastet. Auch die Regeln des Infektionsschutzes selbst sind für Steffen Steinbrück und sein Team eine Herausforderung, die sich besonders im Milchvieh-Bereich zeigt. „Bei uns ist nichts mit Homeoffice“, sagt Steffen Steinbrück. Die Kühe müssen jeden Tag versorgt, betreut und auch gemolken werden. Etwa 30 Menschen kümmern sich um sie. Die Möglichkeit, dass diese wegen eines Corona-Falls unter Quarantäne gestellt werden müssen, besorgt den EG-Vorstand. Schon rechtzeitig habe die Agrargenossenschaft daher angefangen, voneinander unabhängige Teams zu bilden und diese kontinuierlich im Dreischichtsystem einzusetzen. „Es ist ein großes Risiko, dass Krankheitsfälle unseren Geschäftsbetrieb lahmlegen könnten“, sagt Steffen Steinbrück und berichtet, dass die notwendigen Abstandsregelungen hinsichtlich des Infektionsschutzes daher bei der EG umso konsequenter umgesetzt würden. 

Mehrere Milchkühe in einer Reihe im Stall

Die zunehmende Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen sieht Steinbrück daher mit einer gewissen Skepsis: „Für uns ist die Öffnung eher ein Risiko als eine Chance, weil die Infektionszahlen nun wieder steigen könnten.“ Obgleich Steffen Steinbrück sich persönlich darüber freue, dass die Entwicklung zurück zu einer Art der Normalität gehe –für das Unternehmen im Weimarer Land könnte sie mit Nachteilen verbunden sein.

Text: Paul-Philipp Braun

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