Abiturientin Juliane Zehendner
Abiturientin Juliane Zehendner mit ihrem Freund

Einen Mundschutz müsse sie für die schriftlichen Abiturprüfungen nicht tragen - Abitur in Pandemiezeiten

Einen Mundschutz müsse sie für die schriftlichen Abiturprüfungen nicht tragen, sagt Juliane Zehendner. Doch das ist für die 17-Jährige aus Jena auch das einzig Positive an der aktuellen Situation. Juliane Zehendner ist eine von mehreren Tausend Thüringer Abiturientinnen, die von der Corona-Pandemie ganz unmittelbar betroffen sind. Während der bundesweite Shutdown überall im Land die Schulen zum Stillstand brachte, blieb die Frage nach ihrem Abitur zunächst eine offene. Dabei hatte Juliane Zehendner den Schulstopp erst einmal gar nicht richtig mitbekommen. „Ich bin am Freitag vor der Schließung mit meinem Freund ganz normal nach Hause gegangen. Ich hatte an dem Tag noch eine Vorprüfung geschrieben. Erst als ich am Abend viele Nachrichten bekam, dass am Montag die Schulen nicht wieder öffnen, wurde mir langsam bewusst, was das bedeutet“, erinnert sie sich. Doch für Juliane und ihre Mitschülerinnen bedeutete es erst einmal Anspannung und warten: „Wir sollten eigentlich Aufgaben per E-Mail zugeschickt bekommen, da wir aber mit dem meisten Stoff schon durch waren, kam da nicht mehr viel.“ Über Videokonferenzen versuchten einige Lehrerinnen Konsultationen zum Abitur-Stoff anzubieten: „Die Konferenzen in Biologie fanden sogar dann statt, wenn es auf dem Stundenplan gestanden hätte.“

Abiturientin Juliane Zehendner und ihr Freund tragen einen Mundschutz

Doch die Lernbedingungen waren für die Jenaer Schülerinnen alles andere als ideal. Vor allem, weil lange nicht feststand, wann die Prüfungen eigentlich geschrieben werden sollten. Jeden Tag habe Juliane Zehendner im Internet nach Neuerungen und Lockerungen geschaut: „Regulär hätten wir am 30. April mit den Deutschprüfungen begonnen. Aber da waren die Schulen ja noch zu.“Pro Woche hätte eine Prüfung angestanden, alles war klar. Aber durch die unerwartete Pandemie wurde alles verschoben. Da Juliane jedoch lange nicht wusste, wann die Prüfungen geschrieben worden, konnte die Abiturienten nicht lernen. „Durch die unterschiedlichen Aussagen der verschiedenen Bundesländer war echt viel Chaos und wir dachten, dass die Prüfungen sich weit nach hinten verlegen“, sagt sie. Ein Grund, nur einige Basisthemen zu lernen. „Wenn es so gewesen wäre, dann hätte ich im Juni schon das vergessen gehabt, worauf ich mich im März vorbereitet habe.“ Dass die Abiturprüfungen nun schon Mitte Mai beginnen sollen, ist für Juliane Zehendner eine ungünstige Voraussetzung für einen sehr guten Abschluss. „Für uns ändert sich jetzt nichts, außer dass alles viel knapper wird“, meint sie. Und in der Tat: Zwar wurde der Termin für die mündliche Prüfung an ihrem Gymnasium auf drei statt zwei Tage erweitert, die schriftliche Prüfungsphase schrumpfte aber auf zwei Wochen zusammen.

Immer wieder hatte es geheißen, dass für die Schülerinnen keine Nachteile durch die Corona-Pandemie entstehen würden. Nun befürchten die Jenaer Abiturientinnen aber genau das: „Schon weil wir mit den Naturwissenschaften anfangen, ist es schwierig. Das ist für mich das umfangreichste Lernfach.“ Dabei will sie eigentlich Medizin studieren, ein hervorragendes Abi ist dafür unerlässlich.

Seit dieser Woche laufen in ihrer Schule die Konsultationen für das Abitur. Aber: Die Treffen finden nur in Kleingruppen und mit dem notwendigen Abstand statt. So wie auch die Abiturprüfungen selbst nur unter strengen Sicherheitsauflagen stattfinden können. Zwei Räume sind für die Jenaer Gymnasiastinnen reserviert, die Tische sollen noch weiter auseinander stehen und für das Betreten wird es voraussichtlich ein Einbahnstraßensystem geben. Nur der Mundschutz, der bleibt wohl erspart.

 

Text: Paul-Philipp Braun

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