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Ein Blick auf das Arte de Cuisine am Erfurter Ringelberg
Koch Matthias Kaiser am Grill
Sohn Philipp Kaiser in der Küche
Eingelegtes Fleisch auf dem Gartentisch
Die Küche im Art de Cuisine

Bratwürste und Klöße statt Edelfisch und Entrecôte

Hübsch sieht er aus, der Gartentisch auf der Terrasse des Art de Cuisine am Erfurter Ringelberg. Eine weiße Tischdecke, bunte, große Teller, sorgsam gefaltete Servietten, nach Gängen aufgereihte Bestecke: Alles wartet auf die Gäste. Neben dem Tischchen steht ein Kugelgrill, der Duft der verbrennenden Holzkohle zieht durchs Wohngebiet. Matthias Kaiser legt Bratwürste darauf. „Habe ich gestern aus dem Thüringer Wald geholt“, sagt er, während die Würste auf dem Metall zischen. Der einstige Bürgermeister von Tambach-Dietharz sei eigentlich Fleischer. „Einer der besten in Thüringen“, meint Kaiser. Schon seit Jahren würde er seine Würste aus Tambach-Dietharz beziehen. Die zugehörigen Brätel kommen aus Reinholterode im Eichsfeld. Gut 300 Gramm hat jedes von ihnen, sie leuchten im Knallorange ihrer Marinade. Es folgt eine weitere Weisheit aus dem Mund des Koch-Kaisers: „Jetzt haben alle Vorteile, die schon immer regional eingekauft haben.“

Matthias Kaiser am Kugelgrill

Was nach einem idyllischen Gartengrillen zum 1. Mai aussieht, das ist Matthias Kaisers aktuelles Kerngeschäft. Auch der Spitzenkoch, der sonst am liebsten Edelfische für handverlesene Gäste zubereitet und seine Pensionsgäste mit Dreigänge-Menüs verwöhnt, leidet unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Seitdem im März touristische Beherbergungen und auch klassische Sitz-Gastronomie deutschlandweit verboten wurden, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken, fehlen Matthias Kaiser Einnahmen und vor allem der Gastkontakt. Er, der eigentlich ein Hansdampf in allen Gassen ist, der sich nicht nur als Spitzenkoch, sondern auch Gastro-Journalist, Fotograf und Kritiker verdingt gemacht hat, er wurde von jetzt auf gleich zum Nichtstun gezwungen. Zwar stehe er, sagt Kaiser, mit vielen seiner Kumpels nun in noch engerem Kontakt, beruflich sei es aber eine Katastrophe. Auch, weil der Verkauf seiner Gastro-und Rezeptbücher während Corona komplett zusammengebrochen sei.

Doch zugleich betont Matthias Kaiser: „Corona ist für uns auch eine Chance.“ Nämlich die, Sohn Philipp noch stärker in das Restaurant auf dem Erfurter Ringelberg einzubinden. Wie Vater Matthias, hat nämlich auch Philipp Kaiser die Kunst des Kochens erlernt und wird bald das Lokal übernehmen. Doch bis dahin muss der Laden auch während der Corona-Pandemie so gut es geht laufen. Derzeit ist das eigentlich nur sonntags der Fall. Und eben an Feiertagen. Dann gibt es handgerollte Klöße und selbstgemachte Rouladen. 120 Kilogramm Kartoffeln verarbeiten die Kaisers dafür jede Woche, gut 150 Klöße entstehen daraus. Sie werden frisch gekocht und können dann abgeholt werden. Inzwischen hat sich das Angebot herumgesprochen. Rund 100 Essen werden pro Sonntag am Ringelberg zubereitet. Wirtschaftlich zwar eher ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Matthias Kaiser, trotzdem eine wichtige Geste: „Wir zeigen, dass es uns auch in der Krise gibt und dass wir kreativ sein können!“

Sohn Philipp Kaiser in der Küche
Eine Dame mit Mundschutzmasken und eingepacktem Essen in der Hand

Kreativ, das ist das Team, in dem auch Kaisers Frau mitarbeitet, auch an diesem 1. Mai. Die besagten Bratwürste und Brätel werden angeboten – aufgetischt wäre aktuell das falsche Wort. Frische Maischolle, Spargel- und Kartoffelsalat, so sieht „die 1. Mai-Karte“ aus, wie Matthias Kaiser sie nennt. Und mehr noch: Zu jedem Essen gibt es einen Einmal-Mundschutz, den die Apothekerin Daniela Tischner persönlich an die Gäste ausreicht. Doch gegessen werden darf, wegen der strengen Verordnungen, nicht direkt im Art de Cuisine.

Bratwürste und Brätel, Maischolle und Salate gibt’s auf die Hand oder in der Styropor-Schale. Alles verordnungsverträglich, alles zum Mitnehmen. Für das Erfurter Lokal eine schwierige Zeit, die sie so gut es geht zu meistern versuchen und in der sie sich in Geduld üben. Und so muss der festlich gedeckte Gartentisch wohl noch einige Zeit warten, bis er wieder mit einem Menü bestellt wird.

 

Text: Paul-Philipp Braun

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