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Nico Feldmann ist Regionalleiter beim DRK Blutspendedienst NSTOB in Erfurt

"Wir werden einen langen Atem brauchen“, so Nico Feldmann, Regionalleiter beim DRK Blutspendedienst NSTOB in Erfurt

Nico Feldmann ist Regionalleiter beim DRK Blutspendedienst NSTOB in Erfurt. Mit Paul-Philipp Braun sprach er über die schwierige Lage der Blutspenden in Corona-Zeiten und warum die unentgeltliche Abgabe vom Lebenssaft besonders in Krisenzeiten wichtig ist.

Herr Feldmann, in Deutschland werden an einem durchschnittlichen Tag etwa 15.000 Blutkonserven gebraucht. Wie sieht es aktuell aus?

Aufgrund der aktuellen Situation kann man dies nicht mit einer genauen Zahl beziffern. Es geht eher darum, sich den regionalen Bedarf anzusehen. Der war in den vergangenen Wochen allerdings sehr schwankend. Zu Beginn der Pandemie hatten wir wirklich Bedarf, weil viele Spendenlokale aufgrund der Verordnungen weggebrochen sind. Durch die große Spendebereitschaft und Solidarität der Spender – an der Stelle will ich es nicht versäumen, mich ganz herzlich dafür zu bedanken – sind wir versorgungssicher. Aktuell haben wir aber die Entwicklung, dass viele Krankenhäuser wieder in eine Art „Normalbetrieb“ schalten. Wobei von normal ja in dieser Situation eigentlich keine Rede sein kann. Deshalb werden gerade wieder mehr Blutkonserven abgefordert und wir müssen schauen, wie wir diesen Bedarf stabil sichern können. Hinzu kommt, dass insbesondere Menschen mit Tumorerkrankungen, die sich in einer Chemo- oder Strahlentherapie befinden, auf die kontinuierliche Gabe von Blutpräparaten angewiesen sind. Rund ein Fünftel aller benötigten Blutpräparate werden für Krebspatienten benötigt. Sollten über einen Zeitraum von mehr als einer Woche nicht genügend Blutspenden eingehen, wäre die Patientenversorgung innerhalb kurzer Zeit nicht mehr abzusichern. Der Grund ist die kurze Haltbarkeit einiger Blutpräparate.

Minister Hoff beim Blutspenden

Aber der bekanntlich spendenschwache Sommer steht ja schon vor der Tür...

Genau so ist es! Die Herausforderung in der aktuellen Krise ist, dasswir einen langen Atem brauchenwerden. Wir freuen uns natürlich über alle, die jetzt zum Spenden kommen. Wir hoffen aber auch, dass die Spendebereitschaft noch eine ganze Weile anhält, da wir nicht wissen, was im Mai oder im Juni passiert.

Lassen Sie uns noch einmal auf den Bedarf zurückkommen. Wie sieht der momentan aus?

Um einmal mit einer Zahl zu rechnen: Wir brauchen in Thüringen pro Tag um die 300 bis 350 Spender. Aktuell müssen wir uns dafür sehr strecken. Das hat mehrere Gründe. Zum einen liegt es daran, dass uns nach wie vor nicht alle Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, zum anderen müssen wir unsere Spender, Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer entsprechend schützen. Durch die aktuellen Auflagen und damit verbundenen erhöhten Hygienestandards und der Abstandsregelung kommen nicht mehr alle Spendenlokale in Frage.

Das heißt, die Blutspende hat sich seit Corona verändert?

Auf jeden Fall. Wir haben den ganzen Ablauf umgestellt. Das heißt, schon bevor es überhaupt losgeht, wird eine Art Einlasskontrolle durchgeführt. Dort werden die Spender zu ihrem Gesundheitszustand befragt und es wird Temperatur gemessen. Schon dort entscheidet sich, ob man überhaupt ins Spendenlokal hineinkommt. Dann geht es zur Aufnahme, wo ausreichend Handdesinfektionsmittel bereitsteht. Alle Spender werden gebeten, mit einem Mundschutz zu erscheinen bzw. geben wir entsprechend Schutzmasken aus.Wir haben die Abstände zwischen den Liegen vergrößert, auch die Aufnahmetische haben wir entzerrt. Insgesamt versuchen wir den Durchlauf schneller zu gestalten. Das ist natürlich schwierig, wenn viele Spender gleichzeitig kommen. Dennoch soll möglichst vermieden werden, dass die Menschen sich länger als notwendig im Spendenlokal aufhalten.

Das heißt, Sie mussten sich auch etwas für das Essen nach der Spende einfallen lassen?

Genau so ist es. Das liebgewonnene Spenderbuffet wurde leider minimiert. Es gibt nur eine reduzierte Variante bzw. Lunchpakete zum Mitnehmen. Die Einhaltung dieser Maßnahmen wird zum Teil von den örtlichen Behörden kontrolliert.

Wenn Sie über Desinfektionsmittel und Masken sprechen, wie sind das Ihre Kapazitäten?

Natürlich kämpfen wir dabei mit den selben Problemen wie überall. Es gibt Versorgungs- und Lieferengpässe. Und auch wenn wir als Blutspendedienst zum medizinischen Bereich zählen, müssen wir mit unserem Material gut haushalten. Es ist daher schon gut, wenn die Spender auch ihre eigenen Masken zum Termin mitbringen und somit unsere Vorräte ein wenig entlasten.

Jetzt haben wir viel über die Spende selbst gesprochen. Eine dringende Frage ist aber doch: Wer darf überhaupt spenden? Was hat sich da mit Corona verändert?

Grundsätzlich haben sich die bisherigen Voraussetzungen nicht verändert: Die Spender müssen mindestens 18 Jahre alt sein und sich gesund fühlen. Wer sich also unwohl fühlt – auch wenn es nur ein kleiner Infekt oder ein Schnupfen ist – der sollte von vornherein fernbleiben. Ansonsten sorgen die hohen Sicherheits-und Hygienestandards dafür, dass der Besuch eines Termins unbedenklich ist.

Und bei den zeitlichen Abständen zwischen den Spenden, was hat sich da verändert?

Da ist alles gleichgeblieben. Männer dürfen sechs Mal, Frauen vier Mal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden. Zwischen jeder Spende muss ein Abstand von acht Wochen liegen. Es geht uns dabei nicht nur um die Sicherheit des Blutproduktes, sondern auch um den Schutz des Spenders und Empfängers.

Sie arbeiten auf Ihren Terminen ja auch mit vielen ehrenamtlichen Kräften. Was bedeutet diese Pandemie für Sie?

Auch da gibt es einen großen Einschnitt. Gerade das Ehrenamt besteht zu großen Teilen aus der altersbedingten Risikogruppe, die wir natürlich höchstmöglich schützen wollen. Daher wurden einige Termine minimiert oder mussten gar ausfallen. Niemand soll sich unnötig einer gesundheitlichen Gefahr aussetzen. Trotzdem gibt es natürlich auch viele Ehrenamtliche, die uns weiterhin unterstützen können. Auch die werden, wie unsere Teammitglieder und die Spender, vollumfänglich mit der notwendigen Schutzausrüstung ausgestattet.

 

Interview: Paul-Philipp Braun

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