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Zwei junge Frauen halten gemeinsam ein Tablet in die Höhe auf dem steht: „Niemand wird allein gelassen“, beide lächeln fröhlich in die Kamera.

Eichsfelder Solidarität: Die Nachbarschaftshilfe unterstützt Risikogruppen

Sigrun Fütterer ist 66 Jahre alt, hat verschiedene Vorerkrankungen und zählt damit in der aktuellen Corona-Pandemie eindeutig zur Risikogruppe. Das Haus verlässt die Heiligenstädterin nur noch sehr selten. Selbst einkaufen ist für die Seniorin inzwischen eine gesundheitliche Gefahr. Im Telefonat berichtet sie davon, dass sie zu Anfang der Pandemie ihre Einkäufe daher auf das Nötigste beschränkt habe, so wenig wie möglich selbst in den Supermarkt ging.

Inzwischen bekommt sie dabei Unterstützung. Über das Gesundheitsamt erfragte Sigrun Fütterer, ob es eine solche Möglichkeit, wie sie vorrangig aus Großstädten bekannt ist, gäbe. Man gab ihr eine Telefonnummer, sie rief dort an und hatte Laura Senger am Apparat. „Sehr freundlich“ sei die am Telefon gewesen; habe Sigrun Fütterer schnell und unkompliziert ihre Unterstützung angeboten.

Laura Senger ist 21 Jahre alt und studiert eigentlich an der Universität Erfurt. Wie viele andere Studierende nutzt sie die verlängerte vorlesungsfreie Zeit, um sich in das gesellschaftliche Leben der Pandemie-Zeit einzubringen. Dass sie dies in ihrer Eichsfelder Heimat tut, es liegt auf der Hand.

Mitte März gründete sie, zusammen mit einigen Mitstreitenden, die Solidarische Nachbarschaftshilfe Eichsfeld, die inzwischen gut 50 Unterstützende zählt und parteipolitisch neutral helfen will. Dies zu betonen sei wichtig, sagt Laura Senger. Das Wort der Solidarität sei auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer in den Köpfen vieler Menschen noch politisch links konnotiert. „Wir denken aber, dass Solidarität besonders in dieser Krisenzeit für alle gelten sollte“, meint Laura Senger, die politische Debatten in dieser Hinsicht immer wieder ablehnt.

Der Grund für den Namen ist das Vorbild. Im nahegelegenen Unstrut-Hainich-Kreis hatte sich bereits einige Zeit vor dem Eichsfeld eine Solidarische Nachbarschaftshilfe gegründet. Laura Senger unterstützte diese zunächst, bevor die Eichsfelder eine eigene Gruppe gründeten. Dies sei dies, sagt sie, in Anbetracht des Flächenlandkreises eine richtige Entscheidung gewesen. Allein zwischen Teistungen und Dingelstädt liegen gut 25 Autokilometer.

Ein aufgeklappter Laptop, darauf liegt ein Smartphone auf dem steht: "Niemand wird allein gelassen".

Über eine öffentlich bekannte Telefonnummer sind die Eichsfelder Helfenden zu erreichen. Kommunalverwaltungen und Gesundheitsämter haben diese, die örtliche Tageszeitung veröffentlicht sie und vor allem auf der Facebook-Seite (https://www.facebook.com/Nachbarschaftshilfe-Eichsfeld-109073440730783/) ist sie zu finden. Das Prinzip der Hilfe sei dann ganz einfach, sagt Laura Senger. Das Team erhält den Anruf mit der Bitte um Unterstützung bei Besorgungen des täglichen Bedarfs. Über eine App werde dann geklärt, wer aus dem Pool der Helfenden in Frage kommt – weil er gerade Zeit hat und in der Nähe ist. Dann würden die Einkaufstaschen und der Einkaufszettel – kontaktlos – abgeholt, der Einkauf erledigt. Die vollen Taschen werden ebenfalls kontaktlos bei den Klienten abgestellt. Das Finanzielle wird über Gutscheine organisiert. „Die Menschen bezahlen nur das, was im Laden bezahlt wird“, erklärt Laura Senger und betont dabei die Ehrenamtlichkeit der Nachbarschaftshilfe.

Die ist allerdings kein eingetragener Verein und keine anerkannte Organisation. „Wir machen das alle, weil wir es wichtig finden, den Menschen zu helfen“, sagt Laura Senger. Während der Besorgungen sei jeder für sich selbst verantwortlich, was vor allem bei versicherungsrechtlichen Fragen wichtig sei.

Eine, die gern hilft, das ist Annett Weisheit. Die 31-jährige Heiligenstädterin arbeitet hauptberuflich als Pflegekraft in einem Seniorenheim. Auf die Frage, wieso sie sich auch neben dem Schichtdienst engagiert, sagt sie am Telefon: „Das ist so meine Art, Menschen zu helfen.“ Schon vor der Corona-Pandemie habe sie Bekannte bei Besorgungen des täglichen Bedarfs unterstützt. Dass sie nun auch für Fremde einkaufen geht, es ist für sie eine Herzenssache.

Menschen wie Sigrun Fütterer sind dankbar für die Unterstützung, die die Eichsfelder Nachbarschaftshilfe ihnen gibt. Ihre Kinder wohnen weiter weg und so muss die 66-Jährige sich nicht dem Ansteckungsrisiko der Supermärkte aussetzen.
In der Zeit nach Corona, das verrät sie, will sie sich für das Engagement des Teams persönlich mit einer Kaffeetafel bedanken. Dafür will sie dann wieder selbst einkaufen gehen.

Text: Paul-Philipp Braun

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