Medina Yilmaz und ihr Mann Badiyel Kiran stehen in einem leeren aber schick eingerichteten Gastraum.

„Nicht das Ende der Welt“ – Wie ein kaum eröffnetes Restaurant mit der Pandemie umgeht

Hier, wo sonst das Leben tobt, wo Servicepersonal mit vollen Tabletts zwischen den Tischen entlangschwebt, wo gelacht, gegessen und getrunken wird, hier ist es still.
Einsam wirken Medina Yilmaz und ihr Mann Badiyel Kiran auf den Stühlen am großen runden Tisch in ihrem Restaurant in der Erfurter Futterstraße. Außer ihnen hat schon seit Wochen niemand mehr das Bâ Badiyel betreten. Und so wie es aussieht, wird dies auch noch einige Wochen lang so bleiben.

Die Katastrophe kam mit Ankündigung. „Ab dem 1. März haben wir verzeichnet, dass keine Reservierungen mehr vorgenommen werden. In der Woche vom 7. zum 14. März kamen nur noch Absagen von Reservierungen“, berichtet Medina Yilmaz. Eine letzte große Geburtstagsfeier sollte in ihrem Lokal noch stattfinden, zwei Tage vor der vollkommenen Schließung des Restaurants. Von den geplanten 85 Gästen sei nicht einmal die Hälfte gekommen, sagt Medina Yilmaz.

Fast anderthalb Monate ist dies nun her. Für das Bâ Badiyel, das erst im Herbst 2019 seine Pforten öffnete, ist es eine betriebswirtschaftliche Katastrophe. Für das Besitzerehepaar ist es eine Zeit, die sie zur Entspannung zwingt. „Man beobachtet das ja, guckt auf das eigene Verhalten, was verändert sich. Ich bin leidenschaftliche Köchin, Badi macht das hier beruflich – Wir beide kochen gut. Jetzt kochen wir auch viel mehr zu Hause“, sagt Medina Yilmaz und sagt, dass sie genau dies über die vergangenen Monate hinweg vermisst hätten.  Auch der Alltag miteinander sei in der Gastronomie eigentlich ein anstrengender, in dem man wenig Zeit füreinander habe. Das ist gerade ganz anders, meint Medina Yilmaz.

Schon lange hatten Medina Yilmaz und Badiyel Kiran auf ihr eigenes Restaurant hingearbeitet, zuvor einen Gemüse-Kebab-Imbiss mit angeschlossenem Lieferdienst betrieben. Als sie im Herbst des vergangenen Jahres nach einer aufwendigen und anspruchsvollen Umbauphase öffnen konnten, fiel beiden ein Stein vom Herzen. Und der Erfolg gab ihnen schnell Recht. „Unser Restaurant ist eigentlich jeden Tag voll“, sagt Medina Yilmaz. Dass sie nun schon seit Wochen keine Gäste empfangen dürfen schmerzt umso mehr.

Medina Yilmaz und ihr Mann Badiyel Kiran auf den Stühlen am großen runden Tisch in ihrem Restaurant in der Erfurter Futterstraße.
Ein vollständig leeres Reservierungsbuch.

Seit dieser Woche bieten sie einen Abhol-Service. Ein schwacher Ausgleich für das Lokal, das sich sonst großer Beliebtheit erfreute. Und doch ein Trost. Denn mit einem „normalen Restaurantbetrieb“, wie er vor der Krise herrschte, rechnen sie allerfrühestens im September. Da seien sie realistisch, sagt Medina Yilmaz: „Falsche Hoffnungen bringen auch nichts.“
Doch während das Ehepaar am großen Tisch sitzt, sind es nicht nur Sorge und Zweifel, von denen sie berichten. Es ist vor allem eine große Dankbarkeit, die beide verspüren. Stammkunden und Freunde hätten schon wenige Tage nach dem Lockdown ihre Unterstützung zugesagt. Auch die staatliche Soforthilfe sei eine willkommene und für das Ehepaar nicht selbstverständliche Unterstützung.

Wenige Tage nach dem Gespräch veröffentlicht Medina Yilmaz auf ihrer privaten Facebook-Seite einen langen Post, der zahlreiche Male geteilt und geliked wird. Darin bedankt sie sich für die große Unterstützung von Freunden und Partnern, auch vom Vermieter, der sogar die Miete aussetzte, um das junge Unternehmen in seinen Räumen zu halten. Und sie schreibt unter anderem, dass sie sich zwar Sorgen um die Zukunft des Restaurants mache, sich aber auch dies fügen würde. Sie schreibt darin: „Und für den Fall, dass auch dieses Projekt gezwungenermaßen endet, ist es nicht das Ende der Welt!“

Text: Paul-Philipp Braun

Eine Restaurantfassade in der Erfurter Innenstadt.

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