Mario Schmökel lehnt sich an ein Flatterband und lächelt freundlich in die Kamera. Im Hintergrund eine Imbissbude.

Ein Hauch von Jahrmarkt – Eisenacher Unternehmer hilft kreativ

Für Mario Schmökel und sein Team droht das Jahr ein Totalausfall zu werden. Seit dem 22. Dezember 2019 kann der Schausteller nicht arbeiten. Der eh schon schwierige Jahresbeginn wurde durch die Corona-Pandemie noch einmal um eine unbestimmte Zeit verlängert. „Ich habe seit Dezember null Umsatz, jetzt sind auch noch der Eisenacher Sommergewinn und das Mühlhäuser Frühlingsfest weggefallen“, sagt Mario Schmökel. Derzeit rechne er schon deshalb mit zehntausenden Euro an Umsatzausfall. Und der Schaden wächst. Denn Schmökel und sein Team sind mit ihren Autoscootern, Karussellen und Imbissbuden normalerweise auf Volksfesten in ganz Deutschland unterwegs. Wenn diese nun aber wegen der anhaltenden Pandemie abgesagt werden, dann wird auch für die Eisenacher Schaustellerfamilie 2020 ein sehr hartes Jahr. Die Corona-Soforthilfe, die Mario Schmökel bereits erhalten hat, sei da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ein Mann steht lächelnd hinter einer Softeismaschine. Er hält einer Kundin am langen Arm ein Eis entgegen.

Doch Schmökel ist seit 28 Jahren selbstständiger Schausteller. Herausforderungen gehören zu seinem Beruf, Kreativität auch. Statt zu klagen, machte er aus der Not eine Tugend: Seit dem Wochenende nach Ostern hat Mario Schmökel wieder gut zu tun. Auf seinem Betriebshof in der Eisenacher Siebenbornstraße eröffnete er Thüringens einzigen Jahrmarkt in der Corona-Krise. Und auch wenn Autoscooter und Karussell nicht dabei sind, zwei Imbissbuden tun es in dieser Lage auch. „Die Leute sind ausgehungert, sie wollen sich unterhalten, das Beste aus der Krise machen“, sagt Mario Schmökel. Vor allem weil das für die Eisenacher identitätsstiftende Sommergewinnsfest in diesem Jahr ausfiel, fehle den Menschen in Westthüringen etwas.

Mit Zuckerwatte, Popcorn und Baguettes soll das nun ausgeglichen werden. „Schmeckt wie auf dem Rummel“, sagt ein kleiner Junge auf die Frage, ob die rosarote Zuckerwatte anders sei als sonst. Seine Augen leuchten dabei. Und nicht nur seine. Auch Mario Schmökel freut sich darüber. Er steht am Rand des mit Flatterband in Schleusen unterteilten Areals vor den beiden Imbisswagen und beobachtet die Menschen, die aus der ganzen Region gekommen sind. „Das hier zu sehen macht mich noch glücklicher, als wenn ich auf einem ganz normalen Festplatz aufmache“, sagt Schmökel, der den Menschen vor allem ein hoffnungsvolles Gefühl und Abwechslung vom Corona-Alltag vermitteln will.

Eine durch Flatterband abgesperrte Warteschlange. Im Vordergrund ein Schild das auf den Mindestabstand von 2 Metern hinweist.
Eine Verkäuferin füllt gewissenhaft gebrannte Mandeln ab. Im Vordergrund hängen Lebkuchenherzen.
Im Vordergrund ein Schild, dass auf den erforderlichen Mindestabstand von 2 Metern hinweist, im Hintergrund zwei Imbissbuden und Besucher.
Ein Mann beugt sich über einen Budentisch. Er hält einer Kundin am langen Arm einen kleinen Beutel hin.
Eine durch Flatterband abgesperrte Warteschlange. Im Vordergrund ein Schild das auf den Mindestabstand von 2 Metern hinweist.
Eine Verkäuferin füllt gewissenhaft gebrannte Mandeln ab. Im Vordergrund hängen Lebkuchenherzen.
Im Vordergrund ein Schild, dass auf den erforderlichen Mindestabstand von 2 Metern hinweist, im Hintergrund zwei Imbissbuden und Besucher.
Ein Mann beugt sich über einen Budentisch. Er hält einer Kundin am langen Arm einen kleinen Beutel hin.

Ein gutes Gefühl dürften dabei auch jene haben, die auf die Einhaltung der Corona-Vorschriften achten. Denn in der Siebenbornstraße geht es streng nach der Verordnung zu. Flatterbänder und Schilder weisen den Gästen den Weg zu Crêpes, Lebkuchenherzen und Co. Und wer sein Eis möchte, der muss sich strecken: Zwischen Verkaufstresen und Kundinnenraum herrscht ein infektionsschützender Abstand. „Wir haben uns streng an die Vorgaben gehalten, überall einen Sicherheitsabstand eingerichtet und ich passe selbst auf, dass nicht zu viele Menschen anstürmen. Ich mache hier ja kein Gartenfest“, sagt Mario Schmökel. Dazu gehöre allerdings auch, dass die Kundinnen das Gelände nach dem Erhalt ihrer Leckereien schnell wieder verlassen würden und trotz des Angebots keine Volksfeststimmung entsteht. Abgestimmt habe er sich dafür unter anderem mit dem Gesundheitsamt, das jedoch keine Bedenken äußerte.

Schon vor einigen Jahren habe Schmökel den Gedanken gehabt, außerhalb der Jahrmarktsaison einen Teil seines Angebots auf dem eigenen Hof zu vermarkten. Nie habe er aber daran gedacht, dies ausgerechnet wegen einer Pandemie umzusetzen. Dass er nun aus der Not eine Tugend macht, sei für ihn ja eigentlich Alltag: „Wir Schausteller müssen immer flexibel sein.“

Text: Paul-Philipp Braun

Zwei Mädchen mit Zuckerwatte lächeln in die Kamera.

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