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Frank Langenberg, Fachberater des THW, trägt eine Schutzmaske. Darunter ist ein Lächeln zu erkennen.

Kein klassischer THW-Einsatz: Helfer in blau unterstützen bei Logistik und Einsatzführung

Während Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sich von einem Fernseher aus zu Wort meldet und über einen Nachrichtensender erklärt, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf deutsche Unternehmen haben wird, herrscht im Raum davor konstruktive Stille. Nur leise Gespräche unterbrechen sie. Ansonsten schaut jeder angestrengt auf den vor ihm stehenden Laptop, tippt mehr oder minder intensiv darauf herum.

Es ist der Krisenstab des Thüringer Landesverwaltungsamtes, der Mitte März zusammengetreten ist und nun die Landkreise und Kommunen beim Kampf gegen den Coronavirus unterstützt. Schon seit Jahrhunderten lenken Krisen- und Führungsstäbe das Geschick in außergewöhnlichen Situationen. Was sich einst im Militär etablierte, ist seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch auf ziviler Ebene angelangt. Unterschieden wird dabei in mindestens vier Aufgaben- und Sachgebiete, die mit einer eigenen Nummer versehen sind. So kümmert sich das Sachgebiet 1 etwa um das Personal im Einsatz, das Sachgebiet 4 ist hingegen mit Themen der Versorgung und Beschaffung betraut.

Unterstützt werden die Bereiche der Einsatzleitung auch durch Fachberater, die aus besonderen Disziplinen oder Organisationen kommen und zum jeweiligen Einsatzbereich beraten können. Frank Langenberg ist einer der Fachberater, die derzeit im Krisenstab des Landesverwaltungsamtes sitzen. Seit 25 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich im Technischen Hilfswerk (THW) in Apolda, seit 2012 arbeitet er auch hauptberuflich für die Bundesbehörde. Als Sachbearbeiter für Ausstattung kümmert er sich normalerweise um die Dinge, die das THW für seine Arbeit im Landesverband Sachsen-Thüringen braucht. Dass Frank Langenberg nun das Land Thüringen unterstützt, wenn es das THW braucht, für ihn eine Ehrensache. Bereits während der Flüchtlingskrise 2015 hatte er einen Krisenstab unterstützt. Bei verschiedenen Hochwasserlagen war seine Expertise ebenfalls gefragt. Eine spezielle, vierstufige Ausbildung ermöglicht es den THW-Helfenden im Stab zu arbeiten und ihr Wissen bei der Einsatzführung einzubringen.

Doch die aktuelle Situation sei eine ganz andere als sonst, sagt Frank Langenberg. Denn anders als bei einem Hochwasser oder eine größeren Betreuungslage, könne derzeit noch keiner wissen, wie lang die Pandemie anhält und wie lange die aufgebauten Einsatzstrukturen gebraucht werden. „Die Herausforderung ist das Ungewisse“, sagt er. Umso wichtiger sei es daher, dass besonders die Fachebenen zuverlässig und gut arbeiten würden. „Das THW hat einen ganzen Katalog von Einsatzmöglichkeiten, mit denen wir in den verschiedensten Situationen unterstützen können.“ Derzeit sei es vor allem die Logistik, die durch die Helfenden in blau geleistet würde.

Zwei Männer mit Mundschutz und THW Kleidung sitzen in einem Büro und blicken in die Kamera.
Frank Langenberg steht im Krisenraum des Krisenstabes und Überblickt das Geschehen.
Zwei Männer mit Mundschutz und THW Kleidung sitzen in einem Büro und blicken in die Kamera.
Frank Langenberg steht im Krisenraum des Krisenstabes und Überblickt das Geschehen.

Für den Transport von Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln stünden aktuell zehn bis 13 LKW in den zwölf Thüringer Ortsverbänden des THWs zur Verfügung. Außerdem unterstütze das Technische Hilfswerk auch bei der Einrichtung von Covid-Abstrichstellen und anderen temporären Einrichtungen. Und neben der Ungewissheit sei derzeit noch etwas anders, meint Frank Langenberg: „Es ist eigentlich keine klassische THW-Lage, bei der große Technik gebraucht wird.“ Es gehe eher darum, dass die Bundesbehörde THW die Einsatzkräfte aus Rettungs- und Sanitätsdiensten, Feuerwehren und Gesundheitsämter bei der Durchführung ihrer originären Aufgaben durch Logistik und Personal unterstütze.

Kein Wunder daher, dass die THW-Fachberater sich das Arbeitsbüro nahe des Stabsraumes mit den Fachberatern der medizinischen Hilfsorganisationen teilen. Es sei gut, dass so auch auf dem kurzen Dienstweg etwas geklärt werden könne und die Unterstützung nicht nur im Einsatzgebiet, sondern auch im Krisenstab funktioniere, meint Frank Langenberg. Ihm gegenüber sitzt René Rimbach, Vizepräsident des Thüringer Verbandes der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). „Wir ergänzen uns sehr gut“, sagt Rimbach und verweist auf die großen Schnittmengen, die THW und Hilfsorganisationen auch außerhalb des Corona-Einsatzes haben.

Von 6 Uhr bis 14.30 Uhr sitzt Frank Langenberg derzeit im Landesverwaltungsamt. Zusammen mit drei weiteren THW-Kameraden teilt er sich die Stabsarbeit, die in den Abendstunden aus einer telefonischen Rufbereitschaft besteht. „Von uns ist immer jemand erreichbar, um zu unterstützen. Zahlreiche Transporte hat das THW in der aktuellen Krise schon unternommen, Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel durch ganz Thüringen transportiert. Doch vor allem die Logistik von Desinfektionsmitteln sei eine „heiße Sache“, sagt Frank Langenberg. Wegen ihrer chemischen Zusammensetzung sind diese als Gefahrstoffe eingestuft und dürfen nur unter besonderen Umständen und in genehmigten Mengen transportiert werden. Doch auch hier kann das THW im Bedarfsfall helfen, sagt Frank Langenberg und erklärt, dass die Fachgruppe Logistik, die im THW-Ortsverband Suhl untergebracht ist, immer ein Spezialfahrzeug dafür vorhält. Dieses würde dann sowohl die Kennzeichnungspflicht als auch die Transportbestimmungen erfüllen, die für die Verlegung von großen Mengen an Desinfektionsmitteln nötig sind. 

Text: Paul-Philipp Braun

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