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Ein Löwenmännchen kaut genüsslich an einem Brocken Fleisch. Er blickt zufrieden in die Kamera.

Trotz der Schließung viel zu tun: Die Tierpflege kennt keine Pandemie-Zeit

Ganz allein sitzt Sabine Merz im Streichelgehege des Thüringer Zooparks in Erfurt. Dort, wo sich normalerweise Kinder tummeln, um die verschmusten Zwergziegen zu streicheln, dort ist gerade niemand außer ihr. Und selbst die Ziegen machen einen großen Bogen um die Zoodirektorin. „Das sind Opportunisten“, bemerkt Merz dazu und sagt dies ganz ohne den aus der Politik gewohnten, abschätzigen Unterton. Opportunismus heiße im Tierreich, lässt Merz den Reporter wissen, dass sich ein Tier der jeweiligen Lage – ganz nach Nützlichkeit – anpasst.

Und dass Ziegen, die sonst fröhlich und verspielt auf die Gäste zu rennen, nun vor dem Menschen flüchten, Sabine Merz findet es spannend. „Das ist eine kleine Feldstudie, die wir jetzt betreiben können. Was passiert mit Tieren, wenn sie in vom Menschen gebauten Behausungen ohne Besucher leben“, erklärt die Zoodirektorin. Merz trägt zwei Doktortitel, lebte als Forscherin in Afrika und genießt es bis heute, wenn sie nicht nur Verwaltungsaufgaben, sondern vor allem Tierbeobachtungen im Zoo durchführen kann.

Doch bei aller Freude an der Beobachtung des tierischen Umgangs ohne – vom Zoopersonal abgesehen – Menschen, die aktuelle Corona-Pandemie ist vor allem eine Herausforderung für den Zoo. Und so nennt Sabine Merz sie eine „große Katastrophe“, deren Auswirkungen noch immer nicht ganz abzusehen sind. Durch die ausbleibenden Besuchenden fehlt es dem Zoo an Einnahmen. Feste, die Zooschule und viele andere Angebote können derzeit nicht stattfinden. Die Kosten für die Versorgung der Tiere, die Bereitstellung von Wasser, Strom und die Pflege des großen Geländes würden aber weiterhin bestehen. „Wir rechnen schon jetzt mit Einbußen im sechsstelligen Bereich“, sagt Merz und schaut dabei nachdenklich auf die noch immer mit ihr fremdelnde Zwergziegenherde. Zwar bietet der Zoo auf seiner Webseite https://www.zoopark-erfurt.de/ die Möglichkeit zur Unterstützung durch Spenden an – „hier hilft jeder Euro“ – doch die würden die Kosten nicht einmal im Ansatz decken.

Nur wenige Meter vom Ziegengehege entfernt, steht eine Bisonherde in ihrer trockenen und nur durch Gras bewachsenen künstlichen Steppe. Fast täglich trainiert die Zoodirektorin hier zusammen mit den bulligen Tieren den Lauf. Und nicht selten kommen dabei beide – Bisons und Zoochefin – ins Schnauben. Ein paar Male fährt Sabine Merz dann das 200 Meter lange Bisongehege ab. Während sie mit der Fahrradklingel läutet, rennen die Bisons auf der anderen Seite des Zauns mit ihr um die Wette. „Die langweilen sich einfach“, sagt Merz und fügt hinzu, dass es vor allem besonders soziale Tierarten seien, die den Menschen in der aktuellen Situation vermissen würden.

Eine Tierpflegerin hält eine Würgeschlange in den Armen und lächelt freundlich in die Kamera.
Zwei ausgewachsene Löwinnen fressen an einem Stück Fleisch.
Ein Dromedar macht ein langes Gesicht und schnuppert an der Hand der Tierpflegerin Sabine Menz.
Ein winziger knallblauer Frosch mit schwarzen Punkten, sitzt in einem Terrarium und schaut aus einer Kokosnuss heraus.
Sabine Menz fährt auf einem Fahrrad neben dem Büffelgehege vorbei. Die kleine Herde betrachtet sie interessiert.
Eine Tierpflegerin hält eine Würgeschlange in den Armen und lächelt freundlich in die Kamera. Die Schlange blickt direkt in die Kamera und züngelt.
Eine Tierpflegerin hält eine Würgeschlange in den Armen und lächelt freundlich in die Kamera.
Zwei ausgewachsene Löwinnen fressen an einem Stück Fleisch.
Ein Dromedar macht ein langes Gesicht und schnuppert an der Hand der Tierpflegerin Sabine Menz.
Ein winziger knallblauer Frosch mit schwarzen Punkten, sitzt in einem Terrarium und schaut aus einer Kokosnuss heraus.
Sabine Menz fährt auf einem Fahrrad neben dem Büffelgehege vorbei. Die kleine Herde betrachtet sie interessiert.
Eine Tierpflegerin hält eine Würgeschlange in den Armen und lächelt freundlich in die Kamera. Die Schlange blickt direkt in die Kamera und züngelt.

Auch die Keas, eine in Neuseeland verbreitete Papageienart, vermissen die Gäste des Zooparks. Kindergeburtstage und Zooführungen dürfen normalerweise ganz nah an die Tiere ran und sie in ihrer großzügigen Voliere besuchen. „Das geht aber eben gerade nicht und da freuen sie sich, wenn wir eben vorbeikommen“, meint Merz beim Betreten des Gegheges. Und wie zur Bestätigung kommt Kea Klaus – Merz nennt ihn wegen seiner Leibesfülle den „dicken Klaus“ – auf die Zoodirektorin zugestürmt, reibt seinen Kopf an ihrem Bein und wartet auf eine Streicheleinheit.
Zwar seien die Tierpflegenden im täglichen Umgang mit den Tieren darauf bedacht, dass ihnen nicht langweilig wird. Spiele und Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es eine Menge. Trotzdem seien echte Besucher noch einmal etwas ganz anderes, sagt Merz.

Ortswechsel, Löwengehege. Imposant liegen die vier Erfurter Löwen auf der weitläufigen Freifläche. Es ist offensichtlich, dass sie die Strahlen der warmen Frühlingssonne genießen und mancher mag sich vorstellen, sie könnten gerade von afrikanischen Savannen träumen. Doch als die Zoodirektorin und der Reporter das Löwenhaus betreten, findet die Ruhe ein jähes Ende. Beherzt springt Löwenkater Aslam auf, trottet zum Tor, welches das Innengehege von der Freiluftanlage trennt. Die anderen drei folgen. „Jetzt kommen Menschen, jetzt gibt es was zum Fressen“, erklärt Löwen-Pflegerin Sabine Fuß das Verhalten. Denn eigentlich gehört die Löwenfütterung mit rohem Fleisch zu den Höhepunkten im Zooalltag. Dutzende Gäste würden die tägliche Show immer sehen wollen. Jetzt, da der Zoo geschlossen ist, fehlen die Menschen und damit auch die Konditionierung, die für die Löwen einen Zusammenhang von Besucheransturm und Fressen bedeutet. Sie komme zwar nun dazu, erklärt Sabine Fuß, einige Arbeiten zu erledigen, die sonst immer hintenanstehen würden. Doch wirklich Ruhe und Entspannung habe sie nun auch nicht: „Die Tiere wollen ja versorgt werden.“

Text: Paul-Philipp Braun

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