Regina Jung hält einen Telefonhörer an ihr Ohr.
Ein Schild mit der Aufschrift: Zutritt nur nach vorheriger Terminabsprache..

„Wir gehen zunächst von 14 Tagen Quarantäne aus“

Regina Jung ist Ärztin im Gesundheitsamt des Wartburgkreises. Im Gespräch mit Paul-Philipp Braun erklärt sie, was Quarantäne ist und was dabei beachtet werden muss.

Frau Jung, die Quarantäne ist derzeit in aller Munde. Können Sie einmal kurz erklären, was das überhaupt bedeutet?

Quarantäne ist eine zum Schutz der Gesellschaft vor ansteckenden Krankheiten befristete behördlich angeordnete Isolierung von Menschen, die verdächtig sind, an bestimmten Infektionskrankheiten erkrankt oder Überträger dieser Krankheiten zu sein. Im aktuellen Fall geht es dabei um Menschen, die Kontakt zu Covid-19-Erkrankten hatten, positiv getestet wurden bzw. aus Hochrisikogebieten laut RKI kommen.

Wann muss eine Quarantäne erfolgen?

Eine Quarantäne wird durch das zuständige Gesundheitsamt angeordnet. Dabei gibt es in unserem Bereich derzeit zwei große Gruppen, zum einen sind es die Reiserückkehrer, die aus Hochrisikogebieten kommen, zum anderen die Kontaktpersonen von Erkrankten bzw. die positiv getesteten Personen selbst.

Was heißt in diesem Fall Kontakt?

Grundsätzlich gilt, direkter Kontakt bedeutet, dass man mindestens 15 Minuten mit einer positiv getesteten Person Face-to-Face kommuniziert hat. Die genauen Gegebenheiten, die eine Quarantäne notwendig machen, werden vom Infektionsschutz exakt abgefragt.

Wie lange dauert so eine Quarantäne?

Wir gehen dabei zunächst von 14 Tage aus, weil hier gilt, dass innerhalb von zwei Wochen Symptome einer Infektion auftreten können. In der Quarantäne kontaktieren wir die betroffenen Personen täglich telefonisch. Wenn während der Quarantänezeiten Symptome auftreten, die eine Ansteckung vermuten lassen, dann verlängert sich die Zeit der Quarantäne um die Zeit, in der die Menschen Krankheitszeichen haben. Wichtig ist, dass die Betroffenen vor dem Ende der Quarantäne 48 Stunden symptomfrei sind.

Das Robert-Koch-Institut spricht in seinen Merkblättern auch immer wieder von einer häuslichen Absonderung. Was hat es damit auf sich?

Diese häusliche Absonderung heißt, dass Personen, die zu einem Haushalt gehören sich zur Vermeidung einer Ansteckung voneinander trennen. Dazu gehört beispielsweise, dass sie sich am Tisch nicht gegenübersitzen und miteinander essen. Auch Begegnungen im Bad und gemeinsames Schlafzimmer sollten vermieden werden. Es geht darum, die unter Quarantäne Gesetzten von den anderen Personen im Haushalt zu trennen. Das ist besonders dann wichtig, wenn es um den Kontakt zu Hochrisikopatienten geht, also jenen Menschen, die im Fall einer Erkrankung besonders starke und gefährliche Symptome entwickeln würden.

Ein Beispiel: Eine Frau kommt von einer Dienstreise in einem Hochrisikogebiet wieder, ihr Mann war die ganze Zeit zu Hause. Müsste sie sich dann häuslich absondern?

Genauso ist es. Allerdings lautet unsere Empfehlung, dass in einem solchen Fall auch der Mann lieber zu Hause bleiben sollte, sofern dies geht. Denn auch wenn man es vermeiden will, so wird es im Haushalt engere Begegnungen geben.

Regina Jung ist Ärztin im Gesundheitsamt des Wartburgkreises lächelt freundlich in die Kamera.

Wie verhalte ich mich in Quarantäne, was darf ich nicht mehr?

Das Wichtigste ist, dass der Kontakt nach außen sich auf Telefon und digitale Geräte beschränkt. Direkter Kontakt zu Menschen, die mich besuchen wollen, Nachbarn und Anderen muss unterbleiben. Die unter Quarantäne gestellten Menschen dürfen die Wohnung und das Grundstück nicht verlassen. Außerdem geben wir den Betroffenen Hinweise, dass sie sich selbst gut beobachten.  Sie sollen dafür mögliche auftretende Symptome notieren, zweimal am Tag Fieber messen und uns die Fragen stellen, die sich im Alltag ergeben. Alles soll in einem Tagebuch festgehalten werden, welches sechs Monate aufzubewahren ist.

Wer kümmert sich in einem solchen Fall um den Einkauf, die Besorgungen, das quasi Alltägliche?

Wir fragen die Menschen, ob sie gut mit Lebensmitteln und Getränken versorgt sind. Meist sind es dann Angehörige, Freunde oder Nachbarn, die beim Einkauf unterstützen. Außerdem habe ich eine Liste mit Kontakten zu Stadt- und Gemeindeverwaltungen, dort sind Hilfen sofort möglich. Die gewünschten Dinge werden dann einfach vor die Tür gestellt.

Was mache ich, wenn ich zum Beispiel einen Hund habe, der täglich raus muss?

Wir fragen schon in den ersten Gesprächen ab, ob die Betroffenen ein eigenes Grundstück oder Garten haben, die nur von ihnen selbst betreten werden. Ansonsten gibt es immer wieder auch die Möglichkeit Menschen zu beauftragen, dass sie sich um den Hund kümmern und mit ihm die Runde gehen.

Regina Jung sitzt an einem Schreibtisch und ist mit dem Computer beschäftigt.

Wie erfolgt die Überwachung und Betreuung der Quarantäne-Patienten?

Wir telefonieren täglich mit dem Menschen in Quarantäne, erkundigen uns nach ihrem Zustand. Dabei spielt aber auch die Bereitschaft zur Mitarbeit durch die Betroffenen eine große Rolle. Bei auftretenden Symptomen erfolgt der Hinweis, sich gegebenenfalls umgehend an Hausarzt oder den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (unter der Telefonnummer 116 117) zu wenden. Bei akuter Verschlechterung sowie Atemnot ist umgehend der Rettungsdienst mit Hinweis auf Quarantäne zu rufen. Alle abgefragten Daten werden täglich vom Gesundheitsamt dokumentiert.

Eine Quarantäne ist eine behördlich angeordnete Maßnahme. Wie sieht es in einem solchen Fall mit Lohnfortzahlung und ähnlichem aus?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, längstens für sechs Wochen an den Arbeitnehmer im Rahmen der Entgeltfortzahlung den Ausfall auszuzahlen. Der Arbeitsgeber kann innerhalb von drei Monaten nach Ende der Quarantänezeit einen Antrag beim Thüringer Landesverwaltungsamt auf Entschädigung für den Verdienstausfall zu stellen (§§ 56, 57 Infektionsschutzgesetz).

Gleiches gilt für Selbständige.

Text: Paul-Philipp Braun

Der Freistaat Thüringen in den sozialen Netzwerken: